Vom Banknotendrucker zum Hightech-Konzern: Giesecke+Devrient profitiert von globaler Unsicherheit

03.04.2026


Giesecke+Devrient (G+D) schreibt in einem von geopolitischen Krisen und technologischen Umbrüchen geprägten Umfeld Rekordzahlen. Der Münchner Sicherheits- und Banknotenspezialist verzeichnete im vergangenen Jahr einen Auftragseingang von 3,6 Milliarden Euro – den höchsten Wert in der 174-jährigen Unternehmensgeschichte. Das entspricht einem Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz kletterte auf knapp 3,2 Milliarden Euro und markierte damit ebenfalls einen Rekord.

Das 1852 gegründete Unternehmen profitiert von der wachsenden Nachfrage nach verlässlicher Sicherheitsinfrastruktur in Finanzsystemen, im Behördenumfeld und in der Telekommunikation. Bekannt ist G+D vor allem als einer der beiden deutschen Hersteller von Euro-Banknoten neben der Bundesdruckerei. Zunehmend an Bedeutung gewinnt jedoch das Hightech-Geschäft: Der Konzern entwickelt Verschlüsselungs- und Authentifizierungssoftware für Banken und Versicherungen, liefert Chips für Kredit- und Girokarten sowie SIM- und eSIM-Karten für Mobiltelefone und stellt Sicherheitstechnik für öffentliche Stellen und Netzbetreiber bereit.

Vorstandschef Ralf Wintergerst spricht von einem „gleichmäßig gut gefahrenen“ Geschäft über alle drei Sparten hinweg und sieht Sicherheitstechnologien insgesamt im Aufwind. Zwar ging der Nettogewinn aufgrund eines Steuereffekts um gut drei Prozent auf 85 Millionen Euro zurück, operativ zeigt der Trend jedoch klar nach oben. Der Rekord-Auftragseingang unterstreicht, dass Kunden weltweit verstärkt in Lösungen investieren, die physische und digitale Infrastrukturen gegen Ausfälle, Angriffe und Manipulationen absichern sollen.

Besonders dynamisch entwickelt sich der Bereich digitale Sicherheit, in dem sich G+D auf das Zeitalter der Quantencomputer vorbereitet. Diese Systeme könnten mit ihrer deutlich höheren Rechenleistung herkömmliche Verschlüsselungsverfahren angreifbar machen. Das Unternehmen arbeitet daher an der Weiterentwicklung seiner Sicherheitslösungen, etwa mit längeren Schlüsseln und angepassten Verfahren, um künftigen Anforderungen standzuhalten. Obwohl G+D als nicht börsennotierter Konzern selten im Rampenlicht steht, unterstreichen die aktuellen Kennzahlen seine Rolle als zentrale, aber weitgehend diskrete Infrastrukturgröße in der globalen Sicherheitsarchitektur.

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NRW-Lockerung an Karfreitag: Bibel-Parodie wird zum Symbol für Säkularisierungsdebatte

03.04.2026


Der Karfreitag gilt in Deutschland als sogenannter stiller Feiertag – doch still ist vor allem die Leinwand. Öffentliche Filmvorführungen stehen an diesem Tag unter besonderen Auflagen, viele Titel sind ohne spezielle Feiertagsfreigabe tabu. Die Regelungen variieren je nach Bundesland, das Grundprinzip ist jedoch ähnlich: Der staatliche Schutz des christlichen Trauer- und Gedenktags schränkt das reguläre Freizeitangebot spürbar ein. Daran entzündet sich seit Jahren Kritik von Verbänden, die eine striktere Trennung von Staat und Kirche fordern.

In Nordrhein-Westfalen hat der Düsseldorfer Aufklärungsdienst diese Auseinandersetzung nun erneut zugespitzt. Der Verein setzte in Düsseldorf per Ausnahmegenehmigung des zuständigen Regierungspräsidenten die Vorführung der Monty-Python-Satire „Das Leben des Brian“ an Karfreitag durch. Der 1979 erschienene Film, der die Zeit Jesu humorvoll aufs Korn nimmt, hat sich zum Symbol im Kampf gegen das Feiertagsrecht entwickelt. Für Vereinsvertreterin Ricarda Hinz ist die Vorstellung weniger Provokation als politisches Statement. In einer Stadt, in der nach Angaben des Vereins die Mehrheit der Bevölkerung keiner christlichen Kirche mehr angehört, sei ein Aufführungsverbot „weder zeitgemäß noch akzeptabel“.

Hinz und Gleichgesinnte sehen in den Verboten einen Eingriff in die individuelle Freizeitgestaltung und eine einseitige Bevorzugung religiöser Normen. Das Zeigen einer Satire am Karfreitag stelle keine Störung der Religionsausübung dar, argumentiert sie. Ihr Leitmotiv bringt Hinz in einem Satz auf den Punkt: „Ich lass dich beten, lass du mich lachen.“ Damit zielt die Initiative weniger auf einzelne Gläubige als auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die sich trotz gesellschaftlicher Veränderungen seit Jahrzehnten nur punktuell verändert haben.

Kirchliche Stimmen halten dagegen. Der Münchner katholische Pfarrer Rainer Maria Schießler betont die besondere Bedeutung der Kar- und Ostertage für seine Kirche. Er plädiert ebenfalls für gegenseitige Rücksichtnahme, interpretiert diese jedoch anders: Einschränkungen an stillen Feiertagen seien angemessen, weil sie Raum für Besinnung schaffen könnten – auch für Menschen ohne feste Kirchenbindung. Aus seiner Sicht können Tage der Ruhe ein verbindendes Element in einer zunehmend fragmentierten Gesellschaft sein, während „Gewaltfilme oder unpassende Veranstaltungen“ an solchen Terminen nicht in die Zeit passten.

Zwischen diesen Positionen verläuft eine Konfliktlinie, die weit über einen einzelnen Kultfilm hinausreicht. Auf der einen Seite steht der Anspruch religiöser Gemeinschaften auf gesetzlichen Schutz ihrer Feiertage, auf der anderen das Interesse einer säkularer werdenden Bevölkerung an freien, weltlichen Angeboten – auch am Karfreitag. Die Düsseldorfer Ausnahme für „Das Leben des Brian“ zeigt, wie stark Gerichte und Behörden im Einzelfall abwägen müssen. Ob solche Einzelfalllösungen künftig häufiger werden oder den Druck auf den Gesetzgeber erhöhen, die Feiertagsgesetze grundlegend zu überarbeiten, bleibt vorerst offen.