Raser als Entertainer: NRW-Polizei reagiert mit neuer Taktik und Bündnissen

17.03.2026


Die Polizei in Nordrhein-Westfalen verschärft ihr Vorgehen gegen die Raser- und Tuning-Szene und richtet den Fokus dabei deutlich auf deren Social-Media-Gesichter. Im Zentrum der neuen Einsatzkonzeption stehen sogenannte Entertainer: PS-Enthusiasten, die sich etwa während schneller Fahrten – teils kostümiert – filmen und die Clips auf Plattformen im Netz verbreiten. Mit ihren hohen Reichweiten fungieren sie als Zugpferde für illegale Treffen, zu denen regelmäßig Hunderte Menschen anreisen.

Laut der neuen Linie, über die zunächst die „WAZ“ berichtete, sollen die Polizeibehörden in NRW die Online-Kanäle dieser Entertainer systematisch beobachten. Ziel ist es, geplante Zusammenkünfte frühzeitig zu erkennen und im Idealfall bereits während der Anreise zu unterbinden. Dazu kann die Polizei schon im Vorfeld PS-Influencer direkt ansprechen, sogenannte Gefährderansprachen durchführen oder Bereichsbetretungsverbote verhängen, um bestimmte Personen von Hotspots der Szene fernzuhalten.

Wird ein illegales Auto-Event mit Tunern und Posern gemeldet, sieht die Einsatzkonzeption sofort ein massives Aufgebot an Kräften vor. Unterstützt werden die örtlichen Behörden dabei vom Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) und vom Landeskriminalamt (LKA). Beide sollen ein aktuelles Lagebild zur Szene erstellen und laufend fortschreiben. Um Situationen besser einschätzen und Beweise sichern zu können, kann das LZPD zudem Hubschrauber oder Drohnen einsetzen.

Die Maßnahmen sind auch grenzüberschreitend angelegt. Bei Bedarf nimmt das LZPD Kontakt zu den Polizeibehörden in Belgien und den Niederlanden auf, um Informationen zu teilen und Einsätze abzustimmen. Damit reagiert Nordrhein-Westfalen auf eine Szene, die sich zunehmend über soziale Medien organisiert und räumliche Grenzen leicht überwindet. Die neue Konzeption soll dafür sorgen, dass die Polizei nicht nur auf illegale Events reagiert, sondern sie möglichst früh erkennt und konsequent stört.

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Mutares schiebt Wachstumsziele vor – Aktie erholt sich trotz Bilanzhürde

17.03.2026


Mutares schärft nach einem sprunghaften Ergebnisanstieg seine Wachstumsagenda nach oben – und muss gleichzeitig ein unerwartetes Finanzierungsproblem adressieren. Der auf Restrukturierungen spezialisierte SDax-Konzern profitierte 2025 von lukrativen Unternehmensverkäufen: Der Konzernumsatz legte auf 6,5 Milliarden Euro zu, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) vervielfachte sich auf 733,5 Millionen Euro. Parallel dazu rückt die Holding, über die Beratungsentgelte und Dividenden der Beteiligungen fließen und aus der die Ausschüttungen an die Aktionäre bestritten werden, zunehmend in den Fokus.

Für 2025 weist die Mutares-Holding einen Jahresüberschuss von 130,4 Millionen Euro aus, nach 108,3 Millionen Euro im Vorjahr. Wesentlicher Treiber sind hohe Erträge aus dem Verkauf der Anteile an Steyr Motors. Auf dieser Basis plant das Management eine Basisdividende von 2,00 Euro je Aktie, was einer Ausschüttungssumme von 42,7 Millionen Euro entspricht. Marktbeobachter sehen angesichts der Ertragsdynamik Spielraum für eine Bonusdividende; in Szenarien wird mit einem möglichen Vorschlag von insgesamt 2,50 Euro je Aktie zur Hauptversammlung im Juli 2026 gerechnet. Beim aktuellen Kursniveau um 29 Euro entspräche allein die Basisdividende einer Rendite von knapp 7 Prozent.

Strategisch erhöht Mutares die Schlagzahl: Der Konzern stellt für das laufende Jahr einen Umsatzanstieg auf 7,9 bis 9,1 Milliarden Euro in Aussicht, der für die Aktionäre maßgebliche Überschuss der Holding soll 2026 bereits 165 bis 200 Millionen Euro erreichen. Damit würde die bisherige Gewinnzielmarke von 200 Millionen Euro, die ursprünglich erst für 2028 formuliert war, deutlich früher erreicht. Bis 2030 peilt das Management ein jährliches Wachstum von rund 25 Prozent sowohl beim Konzernumsatz als auch beim Nettoergebnis der Holding an. Wachstumsimpulse erwartet Mutares neben Europa insbesondere aus den USA und Asien; in den Vereinigten Staaten soll innerhalb der nächsten zwölf Monate ein zweiter Standort aufgebaut werden.

Dem operativen Rückenwind steht jedoch eine Bilanzhürde gegenüber: Zum Stichtag Ende Dezember verfehlte Mutares eine zentrale Verschuldungskennzahl in den Anleihebedingungen – das vorgeschriebene Verhältnis von Nettoverschuldung zu Konzerneigenkapital. Das Unternehmen verweist zur Begründung auf Bewertungseffekte, gestiegene Leasingverbindlichkeiten und ein geringeres Volumen eigenkapitalstärkender Zukäufe im Schlussquartal. Um den technischen Vertragsbruch zu heilen, bittet der Vorstand die Gläubiger in einem schriftlichen Verfahren um einen Verzicht auf die Einhaltung der Klausel bis Ende Juni 2026. Als Ausgleich bietet Mutares eine Gebühr von 1,5 Prozent des Nominalvolumens und kündigt flankierend ab dem zweiten Quartal 2026 vierteljährliche Anleiherückkäufe von mindestens 25 Millionen Euro an, um die Verschuldung aktiv zurückzuführen. An der Börse fiel die Reaktion bislang verhalten aus; die Aktie legte im frühen Handel zuletzt um 1,6 Prozent zu, liegt im laufenden Jahr jedoch noch rund vier Prozent und auf Zwölfmonatssicht knapp 30 Prozent im Minus.

Unter der Oberfläche bleiben die Herausforderungen im operativen Portfolio spürbar. Zwar verbesserte sich das um Portfolioeffekte bereinigte operative Ergebnis (ber Ebitda) von minus 85,4 auf minus 27,8 Millionen Euro, es blieb damit aber im negativen Bereich und hinter Analystenerwartungen zurück. Belastend wirkten vor allem jüngste Zukäufe wie Buderus Edelstahl sowie das anhaltend schwierige Umfeld bei den Beteiligungen Lapeyre und Byldis. Demgegenüber stehen laut Unternehmen Fortschritte bei der Restrukturierung und Entwicklung anderer Einheiten wie Efacec. Der Nachrichtenmix aus beschleunigter Wachstumsstrategie, erhöhter Dividendenerwartung und der Notwendigkeit eines Covenantausnahmebeschlusses dürfte die Aktie vorerst zwischen Ertragsfantasie und Finanzierungsrisiko einpendeln lassen.