
Die europäischen Börsen haben am Freitag anfängliche Gewinne nicht halten können und sind ins Minus gedreht. Die anhaltende Unsicherheit im Nahen Osten, insbesondere der Konflikt im Persischen Golf, belastet die Märkte und führt zu einer vorsichtigen Haltung der Anleger. Trotz positiver Meldungen vom Pentagon deuten die Entwicklungen auf eine komplexe geopolitische Lage hin, die die Wirtschaftsaussichten trübt.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor am Mittag 0,26 Prozent auf 5.769,23 Punkte. Außerhalb der Eurozone zeigte sich der britische FTSE 100 dank der Gewinne im Ölsektor kaum verändert, während der Schweizer SMI um 0,8 Prozent auf 13.191,43 Punkte nachgab. Die Märkte reagieren damit auf die gestiegenen Risiken durch den anhaltenden Konflikt, der die globale Wirtschaft bedrohen könnte.
An der Spitze der Einzelsektoren standen die Ölwerte, da der Iran-Konflikt und die Sorge vor einer möglichen Sperrung der Straße von Hormus den Ölpreis in die Höhe getrieben haben. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent stieg am Freitag auf 87,66 Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit Juli 2024. Seit Beginn der jüngsten Angriffe im Nahen Osten hat sich der Brent-Preis um mehr als 20 Prozent verteuert, was die Abhängigkeit der Märkte von geopolitischen Stabilitätsfaktoren unterstreicht.
Während die Ölwerte profitierten, gerieten Pharmatitel unter Druck. Die Aktien von Roche fielen um 2,3 Prozent, nachdem der Konzern und Partner Zealand Pharma enttäuschende Daten aus einer Phase-II-Studie mit dem Prüfwirkstoff Petrelintide zur Behandlung von Übergewicht gemeldet hatten. Die Landesbank Baden-Württemberg kommentierte, dass trotz militärischer Erfolgsmeldungen kein schnelles Ende des Konflikts zu erwarten sei, was die wirtschaftlichen Risiken weiter erhöht. Zudem trug die Erwartung des US-Arbeitsmarktberichts am Nachmittag zur Zurückhaltung der Anleger bei.

In der Thüringer Landtagsfraktion des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) steht ein Führungswechsel an. Fraktionschef Frank Augsten hat überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Der 67-Jährige, der den Vorsitz erst seit Dezember 2024 innehatte, will das Amt in den kommenden Wochen an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger übergeben und die laufenden Geschäfte bis dahin noch weiterführen. Wer die Fraktionsspitze künftig übernimmt, ist nach Angaben aus Fraktionskreisen bislang offen.
Augsten begründete seinen Schritt nach übereinstimmenden Berichten aus Partei- und Fraktionskreisen mit persönlichen Gründen und dem Wunsch, sich wieder stärker seiner fachlichen Arbeit in der Landwirtschafts- und Umweltpolitik zu widmen. "Im Landwirtschaftsbereich brennt gerade die Luft", sagte der Agrarwissenschaftler mit Blick auf Betriebe, die wegen eines Streits mit der EU mit hohen Rückforderungen konfrontiert sein sollen. Für das BSW sitzt er im Landwirtschafts- und im Umweltausschuss und fungiert als agrarpolitischer Sprecher der Fraktion.
Der frühere Grünen-Politiker hatte bereits eine längere politische Laufbahn hinter sich, bevor er 2024 zum BSW wechselte. Zwischen 2009 und 2014 saß Augsten für Bündnis 90/Die Grünen im Thüringer Landtag und war zeitweise Co-Vorsitzender der Landespartei. Zwischen seinen Mandatszeiten arbeitete der studierte Agraringenieur unter anderem als Referatsleiter im Thüringer Landwirtschaftsministerium und später als kommissarischer Präsident der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft. Im BSW übernahm er den Fraktionsvorsitz, nachdem Katja Wolf im Zuge der Regierungsbildung Ministerin geworden war.
Die Personalie trifft eine Fraktion, die nach der Landtagswahl 2024 mit 15,8 Prozent der Stimmen aus dem Stand zur drittstärksten Kraft im Erfurter Parlament aufgestiegen war und bislang als vergleichsweise geschlossen galt. Das BSW ist Teil der sogenannten Brombeer-Koalition mit CDU und SPD. Das Bündnis unter Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) verfügt mit 44 der 88 Sitze über keine eigene Mehrheit und ist deshalb immer wieder auf Unterstützung aus der Opposition von Linken und AfD angewiesen. Innerhalb der Koalition hatten zuletzt vor allem der Umgang mit AfD-Anträgen und die Frage, ob „inhaltlich gute Anträge“ der AfD in Fachausschüsse überwiesen werden sollen, für Spannungen gesorgt. Augsten hatte sich öffentlich für eine inhaltliche Prüfung solcher Vorlagen ausgesprochen, während insbesondere die SPD-Fraktion eine solche Linie ablehnt.